22./23.3.2012 Gedächtnis, Erinnern und Vergessen im Kontext soziologischer Theorien in Augsburg

Nachdem vor über 25 Jahren Fragen nach kulturellen Phänomenen des Gedächtnisses, des Erinnerns und des Vergessens vor allem durch Vertreter(innen) der Kulturwissenschaften wiederentdeckt worden sind, zeichnet sich seit wenigen Jahren auch in der Soziologie ein über vereinzelte Vorstöße hinaus gehendes Interesse an diesen
Problemen ab. Dabei scheint sich der Umgang mit dem Thema auch hier in zwei Richtungen weiterzuentwickeln: Auf der einen Seite finden sich zunehmend theoriesystematische Beiträge, die entweder eine soziologische Theorie des
wollen Gedächtnisses, Erinnerns und/oder Vergessens (weiter-)entwickeln beziehungsweise den Versuch unternehmen, die mit den Begriffen verbundenen Probleme in bestehende Theorien zu integrieren. Auf der anderen Seite gibt es im Rahmen der Disziplin eine Reihe von empirisch ausgerichteten Forschungsprojekten, die – meist an Schnittstellen zu Geschichtswissenschaft/Oral History, Volkskunde, Kulturwissenschaft, Organisationsforschung oder Politikwissenschaften – ihre Analysen bereits unter Verwendung der Gedächtnisterminologie anstellen. Auf soziologischen Tagungen und Kongressen der vergangenen Jahre gab es immer wieder die Gelegenheit des Austauschs über die Gedächtnisthematik. Nicht zuletzt aufgrund dieser kleinen ‚Konjunktur‘, scheint es nun an der Zeit zu sein,

a) an der Überprüfung des Stellenwerts von Gedächtnis, Erinnern und Vergessen im Vergleich mit anderen soziologischen Theorie- und Begriffsangeboten (bspw. Wissensvorrat, Institution, Kultur, Diskurs, Habitus) hinsichtlich möglicher Konvergenzen und Divergenzen weiterzuarbeiten,
b) das begriffliche Instrumentarium dieses Deutungszusammenhangs schärfer zu akzentuieren, damit
c) den vielfältigen empirischen Analysen ein soziologisch profilierteres elaboriertes Begriffssystem zur Verfügung zu stellen und schließlich
d) eine Systematisierung empirischer Untersuchungsperspektive vorzunehmen. Forschungsfelder im Kontext dieser
Untersuchungsperspektive vorzunehmen.

Adressiert wird gemäß den genannten Punkten ein Forschungsinteresse, das die gezielte Arbeit an einer begrifflichen und theoretischen Schärfung der um soziologische Fragen von Gedächtnis, Erinnern und Vergessen gelagerten Konzepte fokussiert. Eine Hauptaufgabe könnte somit darin bestehen, das soziale Gedächtnis/Erinnern/Vergessen hinsichtlich seiner kognitiv-reflektierenden, seiner inkorporiert-praktischen und/oder seiner technisch-objektivierten Ausprägungen zu untersuchen und terminologisch konsistent auszuarbeiten.



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