Veröffentlichungen (auch: Buchreihe "Soziales Gedächtnis, Erinnern und Vergessen - Memory Studies")

Die seit dem Frühjahr 2013 bei Springer/VS erscheinende Buchreihe Soziales Gedächtnis, Erinnern und Vergessen - Memory Studies soll 'Ort' und 'Forum' für die weitere soziologische Diskussion sein. Vorgesehen ist die Veröffentlichung von thematisch einschlägigen Sammel- und Tagungsbänden, herausragenden Qualifikationsarbeiten und Monografien, von Lehr- und Handbüchern sowie forschungsbezogenen Herausgeberbänden.

Neben der mit dem Arbeitskreis assoziierten Buchreihe listen wir hier Veröffentlichungen aus dem Diskussionszusammenhang des Arbeitskreises Soziales Gedächtnis, Erinnern und Vergessen.

Volkseigenes Erinnern. Die DDR im sozialen Gedächtnis

Die Beiträge untersuchen aus unterschiedlichen Blickwinkeln die Modalitäten der selektiven Inanspruchnahme von DDR-bezogenen Wissensbeständen für individuelle wie kollektive Sinnbildung, wie sie sich im Verlauf der letzten zweieinhalb Jahrzehnte im vereinigten Deutschland herausgebildet haben. Hierbei stehen weniger die ‚offiziellen‘, das heißt die institutionell abgesicherten Sichtweisen auf die DDR im Fokus der Betrachtung. Vielmehr nehmen die Autorinnen und Autoren Formen der sozialen Aneignung (oder auch: der Nicht-Aneignung) dieser sowie anderer, teilweise noch wenig untersuchter DDR-bezogener Wissensbestände ‚von unten‘ in den Blick und liefern so Erkenntnisse über die Formierung der DDR als Gegenstand sozialer Erinnerungs- und Vergessensprozesse seit 1990.

 

Hanna Haag, Pamela Heß und Nina Leonhard (2017): Volkseigenes Erinnern. Die DDR im sozialen Gedächtnis. Wiesbaden: Springer VS.

Organisation und Gedächtnis: Über die Vergangenheit der Organisation und die Organisation der Vergangenheit

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Wie gehen Organisationen mit ihrer Vergangenheit um und was geschieht, wenn sie sich der Vergangenheit anderer annehmen? Der vorliegende Band versammelt Beiträge von Sozial-, Geschichts- und Wirtschaftswissenschaftler(inne)n, die diese Frage aus unterschiedlichen Perspektiven und für unterschiedliche Organisationstypen beleuchten. Zwei grundverschiedene Momente sozialer Gedächtnisse werden dabei adressiert: Zum einen muss davon ausgegangen werden, dass Organisationen ihre Strukturen pfadabhängig ausbilden und ihre Aktivitäten nur aus ihrer Vergangenheit heraus analysiert werden können. Diese Vergangenheit offenbart sich im Rückblick zum anderen aber nur selektiv und interpretativ – sie wird unter den Umständen gegenwärtiger Situationen immer neu konstruiert. Soziale Gedächtnisse der Organisation geben somit Orientierung für Prozesse des Organisierens. Zugleich kann es Gegenstand organisationalen Handelns sein, eine solche Orientierung für andere bereitzustellen.

Nina Leonhard, Oliver Dimbath, Hanna Haag, Gerd Sebald (2016): Organisation und Gedächtnis: Über die Vergangenheit der Organisation und die Organisation der Vergangenheit. Wiesbaden: Springer VS.

 

Der Körper als soziales Gedächtnis

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Dass Gedächtnis, Erinnern und Vergessen eine körperliche Seite haben oder sogar körperliche Vorgänge sind, ist eine Einsicht, die auch von der Soziologie geteilt wird. Gesellschaftliche und gesellschaftlich geprägte individuelle Erlebnisse hinterlassen ihre Spuren im Körper, Spuren, die an Vergangenes erinnern und Verhalten wie Handeln in Gegenwart und im Hinblick auf die Zukunft zu orientieren vermögen. Die in diesem Band enthaltenen Beiträge nehmen sich der Frage nach dem Körpergedächtnis jenseits der Vorstellung eines Körper-Geist-Dualismus an. Dabei werden sowohl sozialtheoretische Fragen des Zusammenhangs von Körper und Gedächtnis als auch unterschiedliche Facetten des Körpergedächtnisses in konkreten praktischen Zusammenhängen behandelt. Der Band geht auf die Tagung des Arbeitskreises Gedächtnis-Erinnern-Vergessen im Frühjahr 2013 zurück.

Michael Heinlein, Oliver Dimbath, Larissa Schindler, Peter Wehling (Hg.) Der Körper als soziales Gedächtnis. Wiesbaden: Springer VS

Kommunikative Erinnerung in Deutschland und Polen. Täter- und Opferbilder in Gesprächen über den Zweiten Weltkrieg

Titelseite Breuer 2015Die Studie vergleicht erstmals die Ebene der kommunikativen Erinnerungen an die NS-Zeit in Deutschland und Polen. Neben einer Darstellung der öffentlichen Erinnerungen an Nationalsozialismus, Zweiten Weltkrieg, Judenverfolgung und Zwangsmigration werden auf der Basis von Gruppendiskussionen die Vergangenheitsbilder der Befragten in beiden Ländern rekonstruiert. Im Mittelpunkt stehen dabei die vielfältigen Zuschreibungen von Täter- und Opferrollen, in denen sich Deutungen der Vergangenheit mit Vorstellungen kollektiver Identität verbinden. In diesen Zuschreibungen wird nicht nur das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Erinnerungen diskutiert, sondern auf einer symbolischen Ebene auch das Verhältnis zwischen Deutschen und Polen verhandelt. Dabei zeigt sich, dass die deutsch-polnischen Beziehungen von einer grundlegenden Asymmetrie geprägt sind, es aber auch gemeinsame Merkmale in der Erinnerung gibt, allen voran die Fokussierung auf die Opfer.

Kommunikative Erinnerung in Deutschland und Polen. Täter- und Opferbilder in Gesprächen über den Zweiten Weltkrieg

Reihe: Soziales Gedächtnis, Erinnern und Vergessen – Memory Studies

Breuer, Lars

Wiesbaden, Springer VS 2015, 324 S.

Die Sozialität des Erinnerns

Das Problem des Gedächtnisses, Erinnerns und Vergessens ist ein nicht eigens benannter Bestandteil vieler soziologischer Theorien. Erst seit wenigen Jahren beginnen Soziologinnen und Soziologen damit, Fragen der gesellschaftlichen Bewahrung, Routinisierung oder Tradierung des Wissens und damit des Strukturerhalts auch unter Verwendung dieser Begriffe nachzugehen. Da soziologisch relevante Theoriebausteine vorliegen, die Deutungen und Erklärungen im Bereich solcher Probleme enthalten, wird es notwendig, diese Theorieangebote zu sichten und explizite wie implizite Momente des sozialen Gedächtnisses, Erinnerns und Vergessens herauszuarbeiten.

Ziel des Buches ist es zum einen Theorien aus der Soziologie und ihrer Nachbardisziplinen mit einem Blick für Motive des sozialen Gedächtnisses, Erinnerns und Vergessens durchzugehen. Zum anderen berichtet es aus Forschungsprojekten, die sich aus (wissens-)soziologischer Sicht für Fragen der handlungsorientierenden Bezugnahme auf Vergangenheit interessieren.

  •  Erschließung soziologischer Theoriepositionen
  • Theorieimporte und Anschlussstellen aus Nachbardisziplinen
  • Anwendungsgebiete von Theorien des sozialen Gedächtnisses, Erinnerns und Vergessens
AnhangGröße
Sebald-Sinn-und-Gedächtnis.pdf488.22 KB
Inhaltsverzeichnis.pdf451.79 KB

Intergenerationelle Erinnerung in der Schweiz: Zweiter Weltkrieg, Holocaust und Nationalsozialismus im Gespräch

Titelseite Burgermeister/Peter 2013Mitte der 1990er Jahre geriet die Schweiz vergangenheitspolitisch ins Kreuzfeuer internationaler Kritik. Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Universalisierung der Erinnerung an den Holocaust sah sich die Schweiz mit Fragen zu ihrer Rolle während des Zweiten Weltkrieges konfrontiert. Das jahrzehntelang gepflegte Geschichtsbild vom neutralen und humanitären Sonderfall wurde dabei grundlegend erschüttert. Eine Folge der Kontroversen um „Nachrichtenlose Vermögen“, „Nazigold“ und schweizerische Flüchtlingspolitik war die staatliche Einsetzung einer Unabhängigen Expertenkommission (UEK), die die Rolle der Schweiz während des Zweiten Weltkrieges historisch und juristisch aufarbeitete. Welche Auswirkungen diese vergangenheitspolitischen Debatten und die offiziellen Aufarbeitungsbemühungen auf das Geschichtsbild breiter Bevölkerungskreise hatten, blieb bislang unerforscht. Anhand von intergenerationell zusammengesetzten Gruppendiskussionen zeigt dieser Band nunmehr auf, wie heute die Zeit des Zweiten Weltkrieges und des Nationalsozialismus in der Bevölkerung vergegenwärtigt wird. Die Studie bietet Einblick in ein Erinnerungsgeschehen, das bisher kaum ins Blickfeld der Forschung gerückt ist.

Intergenerationelle Erinnerung in der Schweiz: Zweiter Weltkrieg, Holocaust und Nationalsozialismus im Gespräch

Reihe: Soziales Gedächtnis, Erinnern und Vergessen – Memory Studies

Burgermeister, Nicole und Peter, Nicole

Wiesbaden, Springer VS 2013, 346 S.

Formen und Funktionen sozialen Erinnerns. Sozial- und kulturwissenschaftliche Analysen

Theorien sozialer Gedächtnisse moderner Gesellschaften stehen vor dem Problem, soziale Dynamiken und Differenzierungsprozesse zu integrieren und dabei sowohl interaktionistisch konstituierende Gruppengedächtnisse als auch höherstufige Gedächtnisformen (Systeme, Diskurse, Nation etc.) im Blick zu behalten. Dieser Band versammelt theoretische Konzepte und empirische Forschungen und eröffnet theoretische Verknüpfungen und Anschlussmöglichkeiten. Dabei widmet er sich Funktionen wie Vergessen, Identität und Gedächtnispolitik sowie Formierungen udn Medien sozialer Gedächtnisse.

Formen und Funktionen sozialen Erinnerns. Sozial- und kulturwissenschaftliche Analysen

Reihe: Soziales Gedächtnis, Erinnern und Vergessen – Memory Studies

Lehmann, René; Öchsner, Florian; Sebald, Gerd (Hrsg.)

2013, VI, 272 S. 2 Abb.

Soziologie des Vergessens. Theoretische Zugänge und empirische Forschungsfelder

Lange Zeit konzentrierte sich das sozial- und kulturwissenschaftliche Nachdenken über das Gedächtnis und den Umgang mit Vergangenem auf das Erinnern. In jüngster Zeit rückt jedoch das Vergessen mit seinen gesellschaftlichen Hintergründen und Wirkungen in den Vordergrund des Interesses und den Mittelpunkt höchst kontroverser Diskussionen. Der Sammelband macht deutlich, dass die Soziologie von Maurice Halbwachs bis zu Niklas Luhmann und Pierre Bourdieu über vielfältige theoretische Zugänge zum sozialen Vergessen verfügt. Und er zeigt die Bedeutung des Vergessens als gesellschaftlicher Faktor: vom Internet, das scheinbar 'nichts vergisst', über die Suche nach 'Vergessens-Pillen' bis zu den weiterhin drängenden Fragen nach dem Umgang mit vergangenem Unrecht.

Oliver Dimbath, Peter Wehling (Hg.): Soziologie des Vergessens. Theoretische Zugänge und empirische Forschungsfelder

2011 , 362 Seiten ISBN 978-3-86764-275-0

Soziale Gedächtnisse. Selektivitäten in Erinnerungen an die Zeit des Nationalsozialismus

Der Band greift kulturwissenschaftliche Thesen zu sozialen Gedächtnissen auf und wendet sie soziologisch. Dadurch geraten die Wechselbeziehungen zwischen sozialen Gedächtnissen und ihren Konstitutionsbedingungen in den analytischen Blick. Die Beiträge kreisen um die Frage nach der Selektivität von sozialen Gedächtnissen, also wie, was und nach welchen Kriterien erinnert oder vergessen wird. Das je konkrete soziale Erinnern geschieht vor einem Horizont von formierenden gesellschaftlichen Voraussetzungen, Rahmungen und Strukturen: Differenzierung, Pluralisierung, Generationengrenzen, Medialität, Authentizität, Diskurse und Semantiken, die fallweise in den einzelnen Beiträgen herausgearbeitet werden. Die empirische Grundlage bilden narrative Interviews und Gruppendiskussionen in Familien aus Ost- und Westdeutschland zum Thema Erinnerung der Zeit des Nationalsozialismus, sowie gegebenenfalls an die DDR-Vergangenheit. Eine Rezension findet sich in socialnet .