Ziele des Arbeitskreises

Ein Arbeitskreis ‚Soziales Gedächtnis, Erinnern und Vergessen‘ im Rahmen der Sektion Wissenssoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie kann Ziele auf unterschiedlichen Ebenen soziologischen Nachdenkens verfolgen. So sind die zu bearbeitenden Probleme nicht nur im Hinblick auf die Arbeitsgebiete Sozialtheorie,
Gesellschaftstheorie und Gegenwartsdiagnosen/Sozialer Wandel zu unterscheiden. Da viele Fragestellungen des interdisziplinären bzw. des kulturwissenschaftlichen Gedächtnisdiskurses bereits in vielen Segmenten der Spezialsoziologien angekommen sind, scheint es an der Zeit zu sein, eine Bestandsaufnahme der vielfältigen Bezüge vorzunehmen. Letztlich kann und muss damit einer ‚Entsoziologisierung‘ soziologischer Beiträge entgegengewirkt und einer Profilierung soziologischen Denkens im Diskurs Vorschub geleistet werden. Dies kann auf unterschiedliche Weise vonstattengehen.

  1.  Auf der Ebene Allgemeiner Soziologie bzw. Soziologischer Theorie bedarf es der Klärung, welcher Stellenwert den Begriffen Gedächtnis, Erinnern/Erinnerung und Vergessen beizumessen ist. Damit verbunden ist die im Rahmen von Theorievergleichen durchzuführende Diskussion, welchen theoretischen Mehrwert die (Re-)Integration dieser Begriffe in das soziologische Begriffsuniversum haben könnte. Hierzu sind die vielen mehr oder weniger ‚passenden‘ Äquivalente durchzugehen – soziologisch aufschlussreich könnte vor allem die Suche nach Äquivalenten des Vergessensbegriffs sein. Am Ende einer solchen Überprüfung steht eine Klärung der Funktion soziologischer Konzepte mit Blick auf die Aufbewahrung und Weitergabe von Wissen – selbst dann, wenn die Gedächtnistrias für die soziologische Theorie verworfen werden sollte.
  2. Da bereits eine Vielzahl soziologischer Arbeiten vorliegt, die sich mit Gedächtnis, Erinnern und Vergessen beschäftigen, ist das bislang wenig bearbeitete Verhältnis der Begriffe zueinander einer Prüfung zu unterziehen, um durch eine Bestandsaufnahme der sich etablierenden Lesarten zu einer definitorischen Bestimmung vor dem Hintergrund soziologischer Forschungspraxis zu gelangen.
  3. Mit Blick auf den unhintergehbar soziologisch-sozialwissenschaftlichen Gehalt bzw. die sozialen Bezüge der Gedächtnistrias sind ferner die Schnitt- und Anschlussstellen sozialer Fragestellungen mit/zu den Domänen der Nachbardisziplinen zu klären. Dies erscheint nicht nur aus Gründen soziologischer Profilierung und Professionalisierung geboten, sondern bewahrt auch davor, in terminologischer Ignoranz zu verharren und dann ständig die – weiterhin verweigerte Gedächtnismetapher – in soziologische Äquivalente übersetzen zu müssen. Denn auch wenn sich die Begriffe ‚Gedächtnis‘, ‚Erinnern‘ und ‚Vergessen‘ nicht als fruchtbar erweisen sollten, bedarf es doch der Entwicklung einer Transformationsregel beispielsweise für bislang metaphorisch verwendete Begriffe wie déjà vu, flashback, Trauma, Verdrängung etc., um den Anschluss an Nachbardiskurse nicht zu verpassen.
  4. Mit Blick auf empirische Forschung in der Soziologie kann der Frage nachgegangen werden, welche Methoden in der soziologischen Erforschung des Gedächtnisproblems sowie des Erinnerns und Vergessens angemessene Zugänge versprechen.
  5. Setzt man indes die Verwendbarkeit der Gedächtnistrias für die soziologische Forschung voraus, ist auf der Grundlage der praktischen Arbeit, eine nach soziologischer Kern- und Nachbardisziplinen sowie nach Themengebieten differenzierte Bibliographie bzw. Leseliste zu erstellen.
  6. Schließlich ist es Ziel des Arbeitskreises, die soziologische Diskussion zum Thema zu initiieren. Dies findet statt durch die Präsenz auf Veranstaltungen sowie die Organisationen von Panels, Workshops und thematisch fokussierten Tagungen.

 

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